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Die Länder des ehemaligen Jugoslawien als „doppelter Transitraum“: Solidaritäten, Grenzziehungen und Grenzüberquerungen zwischen MigrantInnen und der lokalen Bevölkerung auf dem Weg in die EU

Projektleitung:

Projektbearbeiter:innen:

Kooperationspartner:innen:

  • Universität Belgrad
  • Universität Bihać
  • Universität Zagreb

Drittmittelgeber:

Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD)

Projektlaufzeit:

1. Januar 2020 - 31. Dezember 2020

Link zur externen Projektwebseite

Projektbeschreibung:

Das vom DAAD geförderte Forschungskooperations-Projekt beschäftigte sich mit Ländern des ehemaligen Jugoslawien, und hier insbesondere der Region Bihać in Bosnien-Herzegowina, als „doppeltem Transitraum“. Mit „doppeltem Transit“ ist zum einen der sozio-politische und wirtschaftliche „Transit“ der Balkanländer und deren Integration in die EU, und zum anderen der Transit von MigrantInnen aus dem globalen Süden und Osten in die nordwesteuropäischen Länder der EU gemeint, in denen sich MigrantInnen eine bessere Zukunft mit sozialer Sicherheit und Wohlstand erhoffen. Der inhaltliche Schwerpunkt des Projekts lag auf der Erforschung der Perspektiven von MigrantInnen, deren Weiterreise in die EU sich als schwierig darstellt und die oft für einen undefinierten Zeitraum in den Balkanländern außerhalb der EU „stranden“, und der Perspektiven der lokalen Bevölkerung, die mit hoher Arbeitslosigkeit zu kämpfen hat und zum Teil seit Jahrzehnten auf einen EU-Eintritt wartet und sich daher zunehmend abgehängt fühlt. Dabei wurde im Projekt angestrebt, die beiden Perspektiven miteinander zu verbinden und die Interaktionen dieser beiden Gruppierungen, wie Solidaritäten, aber auch die Grenzziehungen aufzuzeigen. Das Projekt bestand aus vier Teilen:

  1. einem thematischen Workshop an der Universität Bihać, (10.-12.09.2020),
  2. einer gemeinsamen Lehrfeldforschung in der Region Bihać (13.-19.09.2020) mit Exkursionen an die kroatische Grenze wie auch nach Tuzla, in denen Studierende neben einem Methodentraining auch eine Forschungspraxis erwarben,
  3. der Gestaltung eines gemeinsamen Panels auf der 6. Jahrestagung der Kulturwissenschaftlichen Gesellschaft „B/ORDERING CULTURES: Everyday Life, Politics, Aesthetics“ an der Europa Universität Viadrina in Frankfurt Oder (08.-10.10.2020).
  4. einer gemeinsamen, wissenschaftlichen Publikation der Beiträge aus den gewonnenen Einsichten.

Durch die Zusammenarbeit von etablierten WissenschaftlerInnen und Lehrenden der Universität Bihać, der Universität Zagreb, der Uni Belgrad und der Europa Universität Viadrina wie auch einer Wissenschaftlerin aus den USA und aus Ungarn, die in der Migrations- und Transformationsforschung insbesondere für den post-jugoslawischen Raum international ausgewiesen sind, wie auch DoktorandInnen und Studierenden trug das Projekt zur nachhaltigen Entwicklung der akademischen Lehre und Forschung, zur Nachwuchsförderung sowie zur grenzüberschreitenden fachlichen Zusammenarbeit in der Region bei. Die Zusammenarbeit ermöglichte ein multiperspektivischen Blick auf das Thema, der zu mehr Toleranz und dem Abbau ethnischer Konflikte in der Zielregion beiträgt. Die Einbindung von Akteuren der Zivilgesellschaft, und hier insbesondere von NGOs der Region Bihać, bildeten einen wichtigen Beitrag zu Stärkung der die Zivilgesellschaft und trugen zur Demokratisierung bei.


Aus dem Projekt entsteht ein special issue im Journal of Borderlands Studies:

•            Carolin Leutloff-Grandits (2022) “We are not Just the Border of Croatia; This is the Border of the European Union … ” The Croatian Borderland as “Double Periphery”, Journal of Borderlands Studies, DOI: 10.1080/08865655.2022.2104340

•            Teodora Jovanović, Katarina Mitrović & Ildiko Erdei (2022) Moving While Waiting for the Future: Mobility and Education in Šid, Serbia, Journal of Borderlands Studies, DOI: 10.1080/08865655.2022.2048679

•            Iva Grubiša (2022) From Prison to Refuge and Back: The Interplay of Imprisonment and Creating a Sense of Home in the Reception Center for Asylum Seekers, Journal of Borderlands Studies, DOI: 10.1080/08865655.2022.2031255

•            Elissa Helms (2022) Social Boundaries at the EU Border: Engaged Ethnography and Migrant Solidarity in Bihać, Bosnia–Herzegovina, Journal of Borderlands Studies, DOI: 10.1080/08865655.2022.2108109

•            Vildana Pečenković & Nermina Delić (2022) Inclusion of Migrant and Refugee Children in the Education System: Exploring and Overcoming Language and Social Boundaries in the Una-Sana Canton, Bosnia and Herzegovina, Journal of Borderlands Studies, DOI: 10.1080/08865655.2022.2104339

•            [in print] Danijela Majstorović (2023) Knowing about migrant figures and border struggles in Bosnia via affect and peripheral selves’ solidarity. Journal of Borderlands Studies.

•            [in print] Carolin Leutloff-Grandits (2023) The Balkans as “double transit space”: Boundary demarcations and boundary transgressions between local inhabitants and “transit migrants” in the shadow of the EU border regime.  Introduction into the Special issue. Journal of Borderlands Studies.

Zuordnung des Projekts zu den Gegenstandsbereichen:

Grenze
Migration