Viadrina Center B/ORDERS IN MOTION

Working Paper Series B/ORDERS IN MOTION Nr. 2

Gangolf Hübinger:

Europäische Ordnungsvorstellungen nach 1918. Theoretische Aspekte und exemplarische Fälle

Europa wurde in der Folge des Ersten Weltkrieges zum Laboratorium für ein experimentelles Ordnungsdenken in enger Wechselbeziehung mit nationalen Grenzdiskursen. Um diese Wechselwirkung geht es unter vier Aspekten. Zuerst werden theoretische Konzepte angesprochen, die das historische Problemfeld „Ordnungsmuster“, „Ordnungsvorstellungen“ und „Ordnungserfahrungen“ strukturieren und begriffliche Zugänge bereitstellen. Exemplarisch werden zweitens die Pariser Friedensverträge von 1919/20 zu den Vorstellungen befragt, die „Versailles“ zum Erinnerungsort einer „neuen Weltordnung“ gemacht haben. In dieses Problemfeld werden drittens zeitgenössische Kontroversen über „Kapitalismus und Demokratie“ einbezogen. Für wie kompatibel haben nach 1918 sozialwissenschaftliche Experten und Expertinnen die beiden „westlichen“ Ordnungssysteme des Kapitalismus und der Demokratie gehalten? Für die Wissensordnungen des 20. Jahrhunderts ist das bis heute eine offene Forschungsfrage. Abschließend wird die Frage aufgeworfen, welche Narrative zu den modernen Zivilisationsordnungendurch „Versailles“ freigesetzt wurden und auf welche Weise sie Prozesse der Pluralisierung oder der Polarisierung in Europa befördert haben.

Schlagworte: Europa, Grenze, Grenzforschung, Ordnung, Ordnungsmuster, Ordnungssysteme, Ordnungsdenken, Versailles

DOI:10.11584/B-ORDERS.2

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Working Paper Series B/ORDERS IN MOTION Nr. 1

Werner Schiffauer, Jochen Koch, Andreas Reckwitz, Kerstin Schoor, Hannes Krämer:

Borders in Motion: Durabilität, Permeabilität, Liminalität

Der vorliegende Text ist die Zusammenfassung des zentralen Gründungsdokuments des Forschungszentrums Viadrina Center B/ORDERS IN MOTION. Zugleich markiert das Working Paper einen zentralen inhaltlichen Kipppunkt in der Diskussion um die Analyse von Grenzen: Wir sprechen uns dafür aus, Grenzen keineswegs nur als territorial-rechtliche Phänomene zu verstehen, die entsprechend von genuin raumwissenschaftlichen Disziplinen untersucht werden. Vielmehr sind Grenzen als ein interdisziplinärer Gegenstand zu konzeptualisieren, der sowohl auf räumlicher, zeitlicher, sozialer als auch kultureller Ebene zu verorten ist. Von Interesse sind demnach die verschiedensten dynamischen Praktiken von Grenzziehungen und -auflösungen, welche als konstitutiv für gesellschaftliche und kulturelle Gebilde der Gegenwart und Geschichte insgesamt angesehen werden können. Eine solche Position deckt sich mit den diversen Befunden interdisziplinärer Grenzforschung, wie sie etwa in den Border(land) Studies, der Forschung zu sozialen und symbolischen Boundaries sowie in der Analyse räumlicher und zeitlicher Grenzen zu finden ist. Diese Bündelung sozial-, kultur-, wirtschafts- und rechtswissenschaftlicher Analysen zu den Prozessen der Markierung, Überschreitung, Auflösung und Neuetablierung von Grenzen mündet in einen analytischen Referenzrahmen und der Skizzierung eines Forschungsprogramms, in dessen Zentrum die Begriffe der Durabilität, Permeabilität, Liminalität stehen.

Schlagworte: Grenzforschung, Interdisziplinarität, Grenzdimensionen , Grenzen und Ordnungen, B/Orders in Motion, Durabilität, Permeabilität, Liminalität.

DOI:10.11584/B-ORDERS.1

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