Sprachliche Grenzarbeit im grenzregionalen Sicherheitsfeld (Arbeitstitel)

Dominik Gerst

Das Dissertationsprojekt widmet sich aus sprachsoziologischer Perspektive der sprachlichen Konstruktion von nationalen Grenzen in Gesprächssituationen („genres of talk"), wie sie für den Sicherheitsdiskurs charakteristisch sind. Am Fallbeispiel der Grenzregion Frankfurt (Oder)/Słubice wird untersucht, welche Grenzbegriffe Sprecher*innen realisieren und welche „Konversationsmethoden" ihnen dafür zur Verfügung stehen. Zu diesem Zweck wird das Konzept der „Grenzarbeit" konversationsanalytisch fruchtbar gemacht. Unter der damit verbundenen Prämisse, dass die sprachliche Arbeit an der Grenze einen (interaktionalen) Prozess darstellt und Grenze im Akt der Hervorbringung existiert, besteht die Arbeit insbesondere darin, das „relevant machen" der Grenze sequentiell nachzuzeichnen und auf seinen methodischen Gehalt zu untersuchen, sowie das zur Hervorbringung eingesetzte Alltagswissen herauszustellen.

Der Fokus auf den Sicherheitsdiskurs folgt der Einschätzung, dass Sicherheit und Grenze – ideengeschichtlich wie auch in der historischen und gegenwartsdiagnostischen Analyse – aufs Engste miteinander verbunden sind. Sicherheit ist ein „Grenzbegriff", insofern er ein (sicheres) Innen von einem (gefährlichen) Außen, ein schützenswertes Eigenes von einem bedrohlichen Fremden, trennt. Grenze wiederum ist ein „Sicherheitsbegriff", der eine Unterscheidung herbeiführt und damit Routinen und Konventionen ermöglicht, die zur Beständigkeit einer Ordnung beitragen sollen. Entgegen einer nicht seltenen Engführung des Sicherheitsbegriffs auf das Thema „innere Sicherheit" (und hier: Grenzkriminalität) unterliegt die Studie dem Anspruch, sämtliche grenzregional relevanten Aspekte einzubeziehen, wie bspw. auch die grenzüberschreitende Prävention von Hochwasser oder Armutsrisiken.

Die räumliche Konzentration auf eine polnisch-deutsche Grenzregion folgt der Idee, dass Grenzregionen als Alltagswelten diverse Erfahrungen mit nationalen Grenzen evozieren, die Sprecher*innen zu Expert*innen in Sachen Grenzen machen. Die wechselvolle Geschichte der „Doppelstadt" ebenso wie vielseitige politische Ansprüche an die Entwicklung der Region (bspw. als „Labor Europas") und bereits etablierte Strukturen (bspw. „Euroregion PRO EUROPA VIADRINA") legen die Vermutung einer multiperspektivischen ebenso wie andauernden Bearbeitung der Grenze nahe, was auf vielfältige Möglichkeiten der Datengewinnung hoffen lässt.

Diese besteht, nach der Identifikation relevanter Akteure und Gesprächssorten und –situationen, darin, ein umfangreiches Audiokorpus gesprochener Sprache anzulegen, das zur Bearbeitung nach gängigen Transkriptionskonventionen verschriftlicht wird. Die leitenden Fragen bei der Analyse zentrieren sich um einen zu Beginn offenen Grenzbegriff, wobei die Analyse schließlich zu einer Kategorisierung von Grenzkonstruktionen als durabel, permeabel oder liminal führen soll.

Verhandlung von Zugehörigkeiten in Roma-Schulmediationen

Maria Klessmann

Das Promotionsprojekt mit dem derzeitigen Arbeitstitel „Verhandlung von Zugehörigkeiten in Roma-Schulmediationen" beschäftigt sich mit der sprachlichen Konstruktion von Gruppenzugehörigkeiten. Die Basis für die hier gesammelten Sprachdaten, bildet das im Zusammenhang mit der von der EU erklärten "Dekade der Roma-Integration" im Jahr 2011 gegründete Roma-Schulmediatoren-Programm (ROMED).  Die Audioaufnahmen von Gesprächen zwischen Mediatoren*innen und Schülern*innen an deutschen Schulen, bilden die Grundlage, auf der unterschiedliche Konzepte einer „Minderheitenidentität", ihrer Selbstverortungen, Selbstdeutungen und Gruppenzugehörigkeitserfahrungen hermeneutisch abgeleitet werden. Zunächst gilt es also zu fragen, welche Gruppenzugehörigkeiten werden in diesen konkreten Gesprächssituationen konstruiert? Wie wird die Identifikation oder Nicht-Identifikation mit den situativ hergestellten Gruppen sprachlich realisiert? Wie werden an Ethnizität gekoppelte In-Groups formiert? Und wo und wie werden die Grenzen zu den sie konstituierenden Out-Groups gezogen?

Ein Fokus der Studie wird dabei auf den sprachlich produzierten sozialen Grenzziehungen und deren Beschreibung als durabel, permeabel oder liminal liegen, um zu einem besseren Verständnis der Mechanismen der Gruppenbildung zu gelangen.

Momentan steht die weitere Sammlung von empirischen Daten und deren Bearbeitung nach gesprächsanalytischen Transkriptionskonventionen sowie eine vertiefte theoretische Auseinandersetzung mit konversationsanalytischen Instrumentarien und Praktiken der Grenzziehung im Vordergrund.

 

 

 

Arts vs. Business: top­-down and bottom-­up approaches to Pop­-Up retail

Slavena Korsun

The search engines provide more then 200 millions hits related to creativity in business. Innumerable important trainers and speakers create work-shops with the ideas on how to build a creative confidence and develop skills in creativity. Is creativity that important for business world? The main interest of the research project is to examine the balance between creativity and business. 

To narrow the research area we concentrate on the Pop-Up retail, an innovative retail strategy, which is getting extremely popular in the last years. Pop-Up Stores are a relatively new marketing tool.  Pop-Up Stores are mainly implemented in the fashion and food industry as temporary retail spaces allowing better interaction with the brand, often limited in time and product range. Often they are combined with unusual space design, side programme and new placement of the brand.

The analysis is based on a top­-down and bottom-up approach. There are several scientific research questions which are posed in this research project:

-  Do Pop-Up store combine creativity and economic awareness?

- What is the "original" Pop-Up Store? How did it come to the market place in a bottom-up form and why "big" companies integrate this marketing tool in their programme?

- Who is a target group of Pop-Up Stores? 

In order to shed light on these questions, methods of qualitative case studies were used. Data on the Pop-Up experience in Berlin was collected through qualitative interviews with experts and professionals and participative observation over an extended period of time. 

The border theory suggested by the 'B/ORDERS IN MOTION' research centre was applied as a matrix to analyse data focusing on durability, permeability and liminality.