Forschungsprojekt: Infrastrukturen der Grenze

© Ralf Kuke

Die zweite Forschungslinie dient der empirischen Anwendung des Infrastrukturkonzepts am Beispiel der Vorstadtgrenzen. Die Grenze zwischen Stadt und Land wird neben der sozialräumlichen Dichte gemeinhin als eine Differenz infrastruktureller Versorgung konzipiert – als ein Mehr oder Weniger an Verkehrsanbindungen, medizinischen Leistungen, religiösen und kulturellen Angeboten, Bildungsmöglichkeiten etc. Wenn die Unterscheidung zwischen urbanen und ruralen Ordnungen damit maßgeblich als Grenze identifiziert wird, gilt es nach der infrastrukturellen Manifestation dieser Grenze zu fragen – quasi nach dem „Infrastrukturieren“ der Grenzsetzung. Indem verschiedene Versorgungsleistungen und die dazugehörigen soziomateriellen Praktiken an den Zwischenräumen der Trennung und Verbindung von Stadt und Land (also die Vorstadt, der Speckgürtel, das Randstädtische) untersucht werden, lässt sich die alltägliche Arbeit an dieser Grenze nachzeichnen. Als ordnende und geordnete Strukturen verweisen Infrastrukturen dabei auf diejenigen Objekte, technischen Systeme und diskursiven wie nicht-diskursiven Praktiken, die maßgeblich an der Entstehung und Aufrechterhaltung von Grenzen beteiligt sind, worüber auch korrespondierende urbane, suburbane und rurale Ordnungssysteme deutlich werden.