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Research Factory: Impfaktionen und das Flüchtlingslager

Anfangsdatum:
7. Juni 2017, 15:15
Enddatum:
7. Juni 2017, 16:45
Ressourcen:
Guest
Ort:
Stephan-Saal (PG 257)

Impfaktionen und das Flüchtlingslager: Eine vergleichende Untersuchung in Deutschland und Griechenland 

Prof. Dr. Sevasti Troubeta (Freie Universität Berlin)

Soziologische Studien betrachten die Umsetzung von Maßnahmen zur Krankheitsprävention (darunter auch die Impfung) als einen Indikator für das Verhältnis zwischen der Gemeinschaft und dem Individuum bzw. den staatlichen Institutionen und den Bürgern. Routineimpfungen werden heute von internationalen Organisationen (v.a. der Weltgesundheitsorganisation) sowie Öffentlichen Gesundheitsdiensten der meisten europäischen Länder empfohlen und basieren daher auf freier Wahl. Das Optionsrecht gilt sowohl für die Bürger als auch für die Flüchtlinge. Von diesen Feststellungen ausgehend, richtet sich der Fokus meines Vortrags auf die Impfaktionen, die nach dem Sommer 2015 in den Flüchtlingsunterkünften und -lagern in Deutschland und Griechenland stattgefunden haben. Ich untersuche diese Aktionen zunächst in Korrelation zu den allgemeinen Impfdiskursen und Praktiken in beiden Länderbeispielen und auch mit Bezug auf die humanitäre Gesundheitsfürsorge für Flüchtlinge. Anhand der zwei Fallstudien werde ich aufzeigen, dass die Wahrnehmung des Optionsrechts durch die Flüchtlinge von zwei Faktoren bedingt wird: ihrer Vulnerabilität als Geflüchtete und dem „Lager“ als der Ort, an dem sie ihre Wahl treffen sollen. Das Lager ist der Topos, in dem ihre Vulnerabilität zur Erbärmlichkeit wird, und so auch die freie Impfwahl zum Zwang. Die Analyse baut auf den aktuellen soziologischen bzw. sozialwissenschaftlichen Debatten über (a) die Impfung als individuelles Recht und Pflicht des Individuums gegenüber der Gemeinschaft und (b) das „Lager“ (camp) als „Ort der Verwerfung“ (abject space) auf. Die empirischen Fallstudien basieren auf ethnographischer Feldforschung in Berlin und in griechischen Grenzregionen.

In Zusammenarbeit mit der Forschungsgruppe „Border & Boundary Studies“.