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Ungleichzeitigkeiten in der Moderne

  • Prof. Dr. Annette Werberger, werberger@europa-uni.de
  • Josephine Kujau, M.A., kujau@europa-uni.de
  • Prof. Dr. Christoph Asendorf
  • Prof. Dr. Michał Buchowski
Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg (Seed Money)
Januar 2015 - Dezember 2015

Die Begriffsgenese von ‚Ungleichzeitigen' lässt sich auf die Spätzeit der ersten deutschen Kulturwissenschaften in den 1920er und 1930er Jahren zurückführen. Die Ursprünge aber liegen in der Zeit nach 1789, die als „Inkubationszeit" (Jörn Leonhard) der Ungleichzeitigkeit und als Anfang der medientechnischen Versuche gilt, Gleichzeitigkeit im Zeichen des Fortschrittsgedankens zu erschaffen.

Generell wird auf ‚Ungleichzeitiges' verwiesen, um auf unvollendete Transformationen und Veränderungen aufmerksam zu machen. Die Rede von der ‚Ungleichzeitigkeit' legitimiert oder verbildlicht eine zeitlich gedachte Moderne. Statt ‚Ungleichzeitigkeiten' aber in diesem Sinne allein als Problembegriff für das Modernisierungsgeschehen einzusetzen, soll im geplanten Graduiertenkolleg der Terminus „Ungleichzeitigkeit" auch als analytischer Begriff Verwendung finden. Damit kann die Stabilität, Flexibilität und der produktive Einsatz von Alt-Neu-Einheiten in der Moderne und die oftmals unsichtbar gemachte Kooperation von unterschiedlichen Zeitregimen in der Institutionenbildung, bei kulturpolitischen Aktionen, in Arbeitswelt, Kulturkontakt oder in der Wissenschaftsgeschichte untersucht werden. Dabei werden die Zuschreibungen von vormodernen, amodernen und modernen Zeitlichkeiten kritisch revidiert. Die Offenlegung und Analyse von heterogener Zeitlichkeit in den Feldern der „Verfassung der Moderne" (Latour) anhand der Analyse von praxistheoretischen und soziotechnischen Fallbeispielen bzw. historischen und theoretischen Studien soll zeigen, dass das Zusammenspiel von Arrièregarde und Avantgarde grundlegend für unser modernes Selbstverständnis ist.

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