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Entgrenzter Kapitalismus. Das „Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik“ (1904-1933) und die europäischen Wissenschaftskulturen

  • Prof. Dr. Gangolf Hübinger, huebinger@europa-uni.de
  • Dr. Barbara Picht, picht@europa-uni.de
  • Bayerische Akademie der Wissenschaften
Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg (Seed Money-Förderung Januar bis Dezember 2016)
seit Januar 2016
Die globale „Entgrenzung“ des Kapitalismus seit Beginn des 20. Jahrhunderts erfordert neue Formen wissenschaftlicher Selbstbeschreibung der sozialen Welt und führt zu neuen Ordnungen des Wissens. Auf diesen Prozess einer Verwissenschaftlichung des sozialen Denkens, der sich in Europa einerseits in spezifischen Grenzen nationaler Wissenschaftskulturen vollzog, andererseits diese Grenzen durch eine transnationale Wissenszirkulation permanent überschritt, richtet sich das Projekt. Inhaltlich widmet es sich dem Problem, wie „eine hoch integrierte Weltwirtschaft, der Nationalstaat und massendemokratische Politik“ (Knut Borchardt) vor und nach dem Ersten Weltkrieg miteinander vereinbar sind. Wie ein roter Faden zieht sich dieses Problem durch die Zeitschrift „Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik“ (AfSS)“ die als Pionier internationaler historischer Sozialforschung gilt. Das Projekt wählt es deshalb zum empirischen Ausgangspunkt für Untersuchungen zur Zirkulation wissenschaftlichen Wissens über nationale und fachspezifische Grenzen hinweg. Das AfSS besetzte bis zu der Emigration seines letzten Herausgebers und dem Ideentransfer an die New School for Social Research in New York die Themenfelder, die wir heute unter den Stichworten „Globalisierung“, „Arbeitsgesellschaft“, „Aufgaben des Sozialstaates“ und ganz generell zu den Spannungen zwischen ökonomischer Ordnung und politischer Herrschaft diskutieren.