Viadrina Center B/ORDERS IN MOTION

Ambivalenzen der Europäisierung. Prekäre Ordnungen Europas in Geschichte und Gegenwart

  • Prof. Dr. Claudia Weber, cweber@europa-uni.de
  • Prof. Dr. Timm Beichelt, beichelt@europa-uni.de
Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg (Seed Money-Förderung Januar bis Dezember 2016)
seit Januar 2016
www.border-studies.de/web/ambivalences

Die Eurozonenkrise in der Europäischen Union, der Krieg in der Ostukraine sowie die Flüchtlingskrise in und um das Mittelmeer stellen Konfliktherde dar, die die Entwicklung Europas und seiner Gesellschaften hin zu einer immer engeren Union in Frage stellen. Vor der Folie der EU-Integration seit 1945 ließe sich angesichts der gegenwärtigen Krisen der Befund einer grundlegenden „Zeitenwende“ treffen. Eine längerfristige und räumlich geweitete Perspektive legt jedoch offen, dass das Durchbrechen von politischen, sozialen, gesellschaftlichen und mentalen Routinen in der europäischen Entwicklungsgeschichte eher den Normalfall als eine Ausnahmesituation darstellt. Der Blick auf die letzten etwa 150 Jahre europäischer Zeitgeschichte lässt den Schluss zu, dass Europäisierung keineswegs ausschließlich fortschrittsorientiert war und dass mithin das Modell der marktwirtschaftlichen Demokratie nur als eine unter mehreren denkbaren Ordnungen galt und gilt. Weder empirisch noch theoretisch sind die Versprechen der Moderne – Freiheit, Gleichheit, Demokratie, Wohlstand, Gewaltzähmung – und Prozesse der Europäisierung zwingend miteinander verknüpft. Die in der Kolleg-Forschergruppe vertretenen Wissenschaftler/innen widmen sich den Brüchen und der Konfliktgeschichte von Moderneversprechen und Europäisierungsprozessen anhand prägnanter „Kippfiguren“. Dabei wird die gesamteuropäische Geschichte und Gegenwart unter der analytischen Prämisse einer konflikthaften Wechselbeziehung von Moderneversprechen, Ordnungsvorstellungen und Europäisierung in den Blick genommen.

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